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Eine räumlich
wie inhaltlich 3-teilige interaktive Videoinstallation,
die verschiedenen Aspekten des Portraits untersucht. 3
Videokameras dienen als Bewegtbild-Eingabe für 3
Teilprogramme (Ancestor, MeMirrow, PortrEater), die den
Betrachter über Videoprojektion mit einem interpretierten
Abbild (s)eines Gesichts konfrontieren. Wenn eine Veränderung
im Kamerabild gegenüber einem Referenzbild, das den
leeren Raum abbildet, festgestellt wird, nimmt das Programm
die Anwesenheit einer Person an. Aufgrund einfacher Bedingungen
(Ermittle aus dem gefundenen Unterschied die relevanten
Bereiche, konzentriere dich auf die Areale unterhalb des
oberen Randes der Veränderung), werden Gegenden untersucht,
die als potenzielle Gesichtsbereiche in Frage kommen.
Dann werden in diesen Bereichen nach weiteren Indizien
(Augen, Nase, Mund) gefahndet um eine möglichst genaue
Näherung des Gesichtsfeldes/des Kopfes zu extrahieren.
Das Ergebnis wird unter der Behauptung/Annahme: "Gesicht"
an die 3 Teilprogramme weitergereicht, die dann die Farbwerte
im Sinne ihrer Aufgabe interpretieren.
Als Weiterführung wäre es denkbar, die Möglichkeiten
einer tatsächlichen Gesichtserkennung auszuschöpfen:
Das "Wissen" des Programms um die Proportion
und den Charakter des Gesichts, die Physiognomie des Kopfes
würde weitere interessante Aspekte einer Interpretation
eröffnen. Ausserdem wäre es möglich aus
diesen Daten ein räumlich korrektes Model der Gesichtsoberfläche
zu erstellen, und mit prozeduraler Mimik unter Regie des
Programms zu versehen: Eine im Bezug auf das Verhalten
völlige Emanzipation des Abbilds von seinem Vorlage.
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Die Absicht des Dargestellten,
sich und seine Erscheinung dem Zugriff der Zeit und Vergänglichkeit
zu entziehen, ist vielen Portraits eingeschrieben. Die
Angst vor Vergänglichkeit und das Bewahren wenigstens
eines Abbilds des Ichs ist Ursache und Absicht dieser
Bilder. Selbst ein einfacher Schnappschuss, nicht in der
Intention eines künstlerischen Portraits gemacht,
dient der Konservierung eines bestimmten Moments und der
Erinnerung daran. Was aber bleibt wirklich davon, wenn
die Menschen, die in direktem Bezug zu der Person (dem
Moment) standen, nicht mehr vorhanden sind? Siegfried
Kracauer beschreibt in seinem Essay zur Photographie das
eigentümliche Gefühl beim Betrachten des Abbildes
einer ihm persönlich bekannten Person, nämlich
seiner Großmutter, die zu diesem Zeitpunkt schon
tot ist. Das Portrait, eine Photographie, zeigt sie in
ihrer Jugend, als junge Frau, und damit als eine ihm unbekannte
Person. Er beschreibt weiter, wie es ihm völlig unmöglich
ist, die Person auf dem Bild mit dem ihm bekannten Menschen
in Verbindung zu bringen. Dieser sonderbare Bruch zwischen
dem Weiterleben und Altern der realen Personen und der
Konservierung des Abbildes derselben Menschen ist der
Gegenstand des "Ancestor" (engl. für Vorfahr).
Während im wirklichen Dasein eine Generation auf
die andere folgt, und eine direkte Bekanntschaft der Kinder
über die Eltern zu den Großeltern und vielleicht
bis zu den Urgroßeltern reicht, sind die noch weiter
zurückliegenden Vorfahren Unbekannte, von denen ein
Bild nur einen visuellen Wiederschein zurückgibt.
Der Projektteil Ancestor behandelt dieses Thema, indem
er die Vergänglichkeit in das Bild zurückholt,
und so das oben beschriebene Missverhältnis zu korrigieren
versucht. Der Betrachter sieht, in Schichten übereinandergelegt,
die Bilder seiner "Vorfahren", d.h. der Personen,
die unmittelbar vor ihm die Applikation benutzten. Unter
Umständen kommt es damit dazu, dass er seinen direkten
Vorgänger persönlich kennt, nämlich den
Menschen, der ihm den Platz vor der Projektionsfläche
freimacht. Übereinandergelagert sieht er die Portraits
von 4 "Generationen". Die oberste Schicht, lebendig
und seinen Bewegungen folgend, stellt sein eigenes Gesicht
dar. Verursacht durch seine Bewegung auf die Leinwand
zu oder von ihr weg treten die Gesichter der einzelnen
"Generationsschichten" deutlicher hervor oder
verblassen wieder. Erreicht er durch die Schichten hindurch
das Portrait der letzten Person, so kann er dort das Zerfallen
und Verschwinden dieser ältesten Gesichtsdaten verfolgen.
Durch die Eingabe seines Portraits in den "Generationsstapel"
drängt der Betrachter also das letzte, hinterste
Abbild ins Vergessen und verurteilt es zur unwiderruflichen
Verschwinden, zur endgültigen Auflösung.
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Der prüfende Blick,
mit dem in vielen Selbstportraits der Künstler aus
dem Bild heraus den Betrachter fixiert, ist der, den er
während der Arbeit scharf beobachtend durch einen
Spiegel auf sich selbst geworfen hat. Diesem Gedanken
folgt der Projektteil "MeMirrow": dem Prinzip
des Spiegels. Dem Eindruck, dass der Betrachter sein eigener
Künstler ist, dass die Person vor der Projektionsfläche,
(vor der Kamera,) vor ihrem eigenen Portrait, in Bewegung
und Mimik das Erscheinungsbild ihres im Augenblick wiedergegebenen
Abbilds bestimmt und formt. Unterstützt wird diese
Wirkung dadurch, dass das Videobild entsprechend seitenverkehrt
wiedergegeben wird. Einer Bewegung nach rechts folgt das
Bild ebenfalls nach rechts, es stellt sich also der vom
Spiegelbild bekannte Eindruck ein, mit der selbstverständlichen
Erwartung, dass das Abbild folgt. Zunächst durchaus
gehorsam, reagiert es ab einem gewissen Punkt (abhängig
von der verstrichenen Zeit sowie der Bewegung des Betrachters)
eigenständig. Anfangs nur, indem es zu heftige, zu
schnelle Bewegungen ignoriert und nicht mehr folgt, wenn
er sich der Leinwand nähert. Später weitet sich
dieser "Eigenwille" immer weiter aus. So wird
es mit der Zeit immer schwieriger, das eigene Abbild zu
disziplinieren und unter Kontrolle zu halten. Bis zu einem
gewissen Zeitpunkt lässt es sich noch durch vorsichtige,
bedächtige Bewegung oder absolute Ruhe fremdbestimmen,
bis es sich schließlich völlig von seiner "Vorlage",
dem Menschen, löst und so in ein eigenständiges
Doppelgängerdasein ausbricht.
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[Quicktime 24.4mb]
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Die wenn auch noch nicht
allgegenwärtige, so doch weit verbreitete Praxis
der Videoüberwachung, besonders von sogenannten "gefährlichen
Bereichen", führt dazu, dass immer häufiger
die Bewegung des Einzelnen im öffentlichen Raum erfasst
und aufgezeichnet wird. So kommt es, dass wir in vielerlei
Situationen unser Bild "abgeben", unwissentlich
wie im Falle der versteckten Videoüberwachung oder
es zumindest in Kauf nehmen, wenn die Observation explizit
publik gemacht wird. An anderer Stelle erfolgt die Abnahme
erzwungenermaßen auf rechtlicher Grundlage wie z.B.
zum Zweck der Erstellung eines Ausweises oder Reisepasses.
Die Vorstellung, dass das Material neben der bekannten
und offiziellen Funktion und Auswertung auch noch anderen
Verwendungszwecken zur Verfügung stehen könnte,
war die Grundidee für diesen Teil der Arbeit. Die
Bezeichnung Portreater enthält die Begriffe Portrait,
to treat und to eat (engl. für die Verben behandeln
und essen). Die gewonnenen Gesichtsdaten werden verschiedenen
Manipulationen unterzogen, die sich visuell zb. in Deformation
und Verzerrung äußern. Andere Variationen,
die nur ein leichtes Verschieben in Geometrie und Textur
verursachen, lassen den Eindruck ins eher Lächerliche,
in Richtung Karikatur tendieren. Zwischen diesen beiden
Polen, Lächerlichkeit und Grausamkeit, spannt sich
das Spektrum der vorgenommenen Interpretationen. So demonstriert
das Programm seine Verfügungsgewalt über die
ihm ausgelieferten Gesichter und der Betrachter weiß,
dass ein späterer Besucher der Entstellung seines
Abbildes beiwohnen wird, so wie er jetzt derjenigen seiner
Vorgänger.
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