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  Das digitale Portrait

Diplomprojekt Udk Berlin
Eine 3teilige interaktive Videoinstallation


Was es Ist
- Ancestor
- MeMirrow
- PortrEater

 
 
 

 
 
 
Was es ist


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  Eine räumlich wie inhaltlich 3-teilige interaktive Videoinstallation, die verschiedenen Aspekten des Portraits untersucht. 3 Videokameras dienen als Bewegtbild-Eingabe für 3 Teilprogramme (Ancestor, MeMirrow, PortrEater), die den Betrachter über Videoprojektion mit einem interpretierten Abbild (s)eines Gesichts konfrontieren. Wenn eine Veränderung im Kamerabild gegenüber einem Referenzbild, das den leeren Raum abbildet, festgestellt wird, nimmt das Programm die Anwesenheit einer Person an. Aufgrund einfacher Bedingungen (Ermittle aus dem gefundenen Unterschied die relevanten Bereiche, konzentriere dich auf die Areale unterhalb des oberen Randes der Veränderung), werden Gegenden untersucht, die als potenzielle Gesichtsbereiche in Frage kommen. Dann werden in diesen Bereichen nach weiteren Indizien (Augen, Nase, Mund) gefahndet um eine möglichst genaue Näherung des Gesichtsfeldes/des Kopfes zu extrahieren. Das Ergebnis wird unter der Behauptung/Annahme: "Gesicht" an die 3 Teilprogramme weitergereicht, die dann die Farbwerte im Sinne ihrer Aufgabe interpretieren.
Als Weiterführung wäre es denkbar, die Möglichkeiten einer tatsächlichen Gesichtserkennung auszuschöpfen: Das "Wissen" des Programms um die Proportion und den Charakter des Gesichts, die Physiognomie des Kopfes würde weitere interessante Aspekte einer Interpretation eröffnen. Ausserdem wäre es möglich aus diesen Daten ein räumlich korrektes Model der Gesichtsoberfläche zu erstellen, und mit prozeduraler Mimik unter Regie des Programms zu versehen: Eine im Bezug auf das Verhalten völlige Emanzipation des Abbilds von seinem Vorlage.

   
 

 
 
 
Ancestor


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  Die Absicht des Dargestellten, sich und seine Erscheinung dem Zugriff der Zeit und Vergänglichkeit zu entziehen, ist vielen Portraits eingeschrieben. Die Angst vor Vergänglichkeit und das Bewahren wenigstens eines Abbilds des Ichs ist Ursache und Absicht dieser Bilder. Selbst ein einfacher Schnappschuss, nicht in der Intention eines künstlerischen Portraits gemacht, dient der Konservierung eines bestimmten Moments und der Erinnerung daran. Was aber bleibt wirklich davon, wenn die Menschen, die in direktem Bezug zu der Person (dem Moment) standen, nicht mehr vorhanden sind? Siegfried Kracauer beschreibt in seinem Essay zur Photographie das eigentümliche Gefühl beim Betrachten des Abbildes einer ihm persönlich bekannten Person, nämlich seiner Großmutter, die zu diesem Zeitpunkt schon tot ist. Das Portrait, eine Photographie, zeigt sie in ihrer Jugend, als junge Frau, und damit als eine ihm unbekannte Person. Er beschreibt weiter, wie es ihm völlig unmöglich ist, die Person auf dem Bild mit dem ihm bekannten Menschen in Verbindung zu bringen. Dieser sonderbare Bruch zwischen dem Weiterleben und Altern der realen Personen und der Konservierung des Abbildes derselben Menschen ist der Gegenstand des "Ancestor" (engl. für Vorfahr). Während im wirklichen Dasein eine Generation auf die andere folgt, und eine direkte Bekanntschaft der Kinder über die Eltern zu den Großeltern und vielleicht bis zu den Urgroßeltern reicht, sind die noch weiter zurückliegenden Vorfahren Unbekannte, von denen ein Bild nur einen visuellen Wiederschein zurückgibt. Der Projektteil Ancestor behandelt dieses Thema, indem er die Vergänglichkeit in das Bild zurückholt, und so das oben beschriebene Missverhältnis zu korrigieren versucht. Der Betrachter sieht, in Schichten übereinandergelegt, die Bilder seiner "Vorfahren", d.h. der Personen, die unmittelbar vor ihm die Applikation benutzten. Unter Umständen kommt es damit dazu, dass er seinen direkten Vorgänger persönlich kennt, nämlich den Menschen, der ihm den Platz vor der Projektionsfläche freimacht. Übereinandergelagert sieht er die Portraits von 4 "Generationen". Die oberste Schicht, lebendig und seinen Bewegungen folgend, stellt sein eigenes Gesicht dar. Verursacht durch seine Bewegung auf die Leinwand zu oder von ihr weg treten die Gesichter der einzelnen "Generationsschichten" deutlicher hervor oder verblassen wieder. Erreicht er durch die Schichten hindurch das Portrait der letzten Person, so kann er dort das Zerfallen und Verschwinden dieser ältesten Gesichtsdaten verfolgen. Durch die Eingabe seines Portraits in den "Generationsstapel" drängt der Betrachter also das letzte, hinterste Abbild ins Vergessen und verurteilt es zur unwiderruflichen Verschwinden, zur endgültigen Auflösung.

   
 

 
 
 
MeMirrow


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  Der prüfende Blick, mit dem in vielen Selbstportraits der Künstler aus dem Bild heraus den Betrachter fixiert, ist der, den er während der Arbeit scharf beobachtend durch einen Spiegel auf sich selbst geworfen hat. Diesem Gedanken folgt der Projektteil "MeMirrow": dem Prinzip des Spiegels. Dem Eindruck, dass der Betrachter sein eigener Künstler ist, dass die Person vor der Projektionsfläche, (vor der Kamera,) vor ihrem eigenen Portrait, in Bewegung und Mimik das Erscheinungsbild ihres im Augenblick wiedergegebenen Abbilds bestimmt und formt. Unterstützt wird diese Wirkung dadurch, dass das Videobild entsprechend seitenverkehrt wiedergegeben wird. Einer Bewegung nach rechts folgt das Bild ebenfalls nach rechts, es stellt sich also der vom Spiegelbild bekannte Eindruck ein, mit der selbstverständlichen Erwartung, dass das Abbild folgt. Zunächst durchaus gehorsam, reagiert es ab einem gewissen Punkt (abhängig von der verstrichenen Zeit sowie der Bewegung des Betrachters) eigenständig. Anfangs nur, indem es zu heftige, zu schnelle Bewegungen ignoriert und nicht mehr folgt, wenn er sich der Leinwand nähert. Später weitet sich dieser "Eigenwille" immer weiter aus. So wird es mit der Zeit immer schwieriger, das eigene Abbild zu disziplinieren und unter Kontrolle zu halten. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt lässt es sich noch durch vorsichtige, bedächtige Bewegung oder absolute Ruhe fremdbestimmen, bis es sich schließlich völlig von seiner "Vorlage", dem Menschen, löst und so in ein eigenständiges Doppelgängerdasein ausbricht.

   
 

 
 
 
PortrEater


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[Quicktime 24.4mb]
  Die wenn auch noch nicht allgegenwärtige, so doch weit verbreitete Praxis der Videoüberwachung, besonders von sogenannten "gefährlichen Bereichen", führt dazu, dass immer häufiger die Bewegung des Einzelnen im öffentlichen Raum erfasst und aufgezeichnet wird. So kommt es, dass wir in vielerlei Situationen unser Bild "abgeben", unwissentlich wie im Falle der versteckten Videoüberwachung oder es zumindest in Kauf nehmen, wenn die Observation explizit publik gemacht wird. An anderer Stelle erfolgt die Abnahme erzwungenermaßen auf rechtlicher Grundlage wie z.B. zum Zweck der Erstellung eines Ausweises oder Reisepasses. Die Vorstellung, dass das Material neben der bekannten und offiziellen Funktion und Auswertung auch noch anderen Verwendungszwecken zur Verfügung stehen könnte, war die Grundidee für diesen Teil der Arbeit. Die Bezeichnung Portreater enthält die Begriffe Portrait, to treat und to eat (engl. für die Verben behandeln und essen). Die gewonnenen Gesichtsdaten werden verschiedenen Manipulationen unterzogen, die sich visuell zb. in Deformation und Verzerrung äußern. Andere Variationen, die nur ein leichtes Verschieben in Geometrie und Textur verursachen, lassen den Eindruck ins eher Lächerliche, in Richtung Karikatur tendieren. Zwischen diesen beiden Polen, Lächerlichkeit und Grausamkeit, spannt sich das Spektrum der vorgenommenen Interpretationen. So demonstriert das Programm seine Verfügungsgewalt über die ihm ausgelieferten Gesichter und der Betrachter weiß, dass ein späterer Besucher der Entstellung seines Abbildes beiwohnen wird, so wie er jetzt derjenigen seiner Vorgänger.